App

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Grundprinzip

Die Idee ist, aus vielen fast leeren Autos wenige volle Autos zu machen. Wir wollen die allgegenwärtige Autolawine in ein hocheffizientes Linienbussystem verwandeln. Oder anders gesagt in digitales Trampen. Das funktioniert wie Trampen, nur bequemer und sicherer. Und die Mitfahrer* beteiligen sich automatisch an den Kosten.

Am besten lässt sich das mit einem Beispiel erklären: 

Michael will zum Einkaufen in die Stadt fahren. Statt ins Auto zu steigen, nimmt er sein Handy und sagt ihm, wo er hin will. Das Handy sagt ihm, dass in 5 Minuten ein Auto kommt und ihn mitnimmt.

Gleichzeitig fährt Karin mit dem Auto auf einer Strecke, die an Michaels Haus vorbeiführt. Sie hat ihr Handy an der Windschutzscheibe und benutzt es wie ein normales Navi. Der kleine Unterschied ist, dass es ihr jetzt sagt, sie soll anhalten und Michael, den die App als zuverlässigen Teilnehmer registriert hat, mitnehmen.

Michael fährt mit bis zur nächsten Abzweigung, wo die beiden in verschiedene Richtungen müssen. Michael steigt in ein anderes Auto um, das ihn dann bis zum Supermarkt fährt, alles vermittelt durch die App. Im Hintergrund läuft ein digitales Bezahlsystem, das eine Fahrtkostenbeteiligung von Michael an Karin überträgt.

Das alles funktioniert vollautomatisch, ohne Organisationsaufwand. Man muss nur dem Handy sagen, wo man hin will, das ist alles. Michael braucht kein Auto und Karin spart Geld.

Agile Entwicklung

wir können und wollen das Design der App nicht von vorneherein endgültig festlegen. Wir werden mit einer Basisversion starten und dann aufgrund von Erfahrungsberichten und Wünschen der Nutzer* die App erweitern und anpassen. Da wir eine neue Art der Zusammenarbeit in die Welt bringen möchten, müssen wir auch gemeinsam herausfinden, wie das genau geht. Wir skizzieren hier, wie wir uns die App aktuell vorstellen.

Funktionsweise bei hoher Teilnehmer*dichte

Wenn viele Fahrten angeboten werden, ist die Sache relativ problemlos:

Fahrer* und Mitfahrer* geben bei Fahrtantritt ihre Ziele in die App ein. Die jeweiligen Standorte und Ziele werden an einen zentralen Server übermittelt. Dieser plant die Routen und ordnet die Mitfahrer den Fahrern so zu, dass die Mitfahrer* mit möglichst wenig Wartezeiten und Umstiegen ans Ziel kommen. Dabei werden nur unbedeutende Umwege für die Fahrer* in Kauf genommen. Die App lotst die jeweiligen Teilnehmer* entsprechend dieser Routen nach Art eines Navigationsgerätes und organisiert das Ein- und Aussteigen.

Die Positionen der Teilnehmer* werden fortlaufend getrackt und die Routenplanung unter Einbeziehung neuer Akteure fortlaufend aktualisiert. Z.B. auf Autobahnen ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass es sich für einen Mitfahrer* lohnt, an einer Raststätte auszusteigen und kurz auf ein anderes Auto zu warten, das ihn wesentlich näher ans Ziel bringt.

Funktionsweise bei geringer Teilnehmer*dichte

Natürlich werden nicht immer und überall viele Fahrten angeboten. Z.B.  nicht

  • in einer Anfangsphase,
  • nachts,
  • in dünn besiedelten Gegenden.

Für diese Fälle braucht es zusätzliche Funktionen:

  • Auf eine Routenanfrage bekommt man als Mitfahrer* Prognosen über die durchschnittlichen Wartezeiten und die Wahrscheinlichkeit, überhaupt anzukommen.
  • Es gibt die Möglichkeit, Fahrten vorab anzukündigen und zu vereinbaren.
  • Eine Chatfunktion, Text und Voice (Z.B: "ich würde jetzt doch eine Viertelstunde später fahren, passt das für dich?"). Wenn der/die Andere das zulässt auch Anzeige der Telefonnummer.

Grundeinstellungen

Zusätzlich zur Eingabe des Ziels sind natürlich noch weitere Informationen nötig, die aber meistens gleichbleiben. Sie müssen nur einmal als Grundeinstellung eingegeben werden und nur im Bedarfsfall angepasst. Z.B.:

  • Wieviele Plätze sind frei / Wieviele Mitfahrer* sind wir
  • Sind Kindersitze vohanden/nötig und wenn ja welche?
  • Wieviele Minuten Umweg bin ich bereit zu fahren, um jemand mitzunehmen?
    Wie gewichte ich als Mitfahrer* Fußwege gegenüber Wartezeiten oder zusätzlichen Umstiegen?
  • Raucher/Nichtraucher

Datenabgleich

Beim Einsteigen bringen Fahrer und Mitfahrer ihre Handys in Sichtkontakt und gleichen via QR-Code die Daten ab (als Alternative wäre auch ein NFC-Kontakt denkbar). Dies hat mehrere Funktionen:

  • Es wird überprüft, ob die richtigen Teilnehmer* zusammengefunden haben.
  • Dem System wird der Fahrtantritt gemeldet.
  • Es wird dadurch der Beförderungsvertrag zwischen Fahrer* und Mitfahrer* geschlossen.

Sicherheit

Viele Leute wollen nicht trampen oder keine Anhalter mitnehmen, weil sie Gewaltverbrechen befürchten. Dies kann bei Benutzung der App weitestgehend ausgeschlossen werden. Denn wer bei wem mitfährt, ist dem System bekannt und damit auch der Polizei. Die Teilnehmer* müssen sich vor einem regulären Gebrauch der App identifizieren lassen (z.B. bei den ersten drei Fahrten muss der Ausweis von der Gegenseite kontrolliert werden. Andere Wege, wie Postident oder Banküberweisung sind auch denkbar). Vor dem Einsteigen wird dem Mitfahrer* die Autonummer und beiden Parteien das Profilbild eingeblendet.

Soziales Netzwerk / Rating

Natürlich wird es die Möglichkeit geben, die anderen Teilnehmer* zu bewerten. Hierbei geht es um verschiedene Dinge. Zum einen geht es um die Einhaltung allgemein verbindlicher Verhaltensregeln. Wer anderen ins Auto kotzt oder sie sexuell belästigt, wird es schwer haben, weiterhin mitgenommen zu werden. Zweitens geht es um äußere Faktoren, bei denen man unterschiedliche Präferenzen haben kann, wie z.B. Reisegeschwindigkeit, Fahrstil, Bequemlichkeit, Gesprächigkeit. Drittens geht es um persönliche Sympathie, wie interessant finde ich einen Menschen, wie gerne sitze ich mit ihm zusammen im Auto?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Algorithmen mit diesen Bewertungen umgehen und sie haben unterschiedliche soziale Implikationen. Sollen beliebte Menschen besser vorwärts kommen als unbeliebte? Sollen alle bequem in ihrer Filterblase bleiben, oder ist es gerade wichtig, verschiedene soziale Gruppen miteinander in Kontakt zu bringen? Rutscht man nach grobem Fehlverhalten aus dem System oder gibt es eine Möglichkeit zur Resozialisierung? Wie gehen wir mit übler Nachrede um? Wie auch immer die Antwort lautet, wir werden die Algorithmen öffentlich machen und wir werden sie mit den Nutzern* diskutieren. Diese Fragen betreffen alle sozialen Netzwerke und sie haben eine öffentliche Debatte nötig.

Weiterhin wird es die Möglichkeit geben, bestimmte Leute als Freunde* zu markieren und für diese andere Grundeinstellungen zu haben. Z.B. "ich nehme nur Freunde* mit" oder "für Freunde* bin ich zu größeren Umwegen bereit".

Preisgestaltung und Bezahlsystem

Die Preise sollen so gestaltet sein, dass Autofahrer* bei voll besetztem Auto annähernd kostendeckend fahren. Es ist NICHT Ziel, dass durch Fahrten Gewinne erzielt werden können. Denn erstens will unsere Initiative Verkehr vermeiden und nicht Verkehr erzeugen. Zweitens würden die Fahrer dann gewerblich fahren und bräuchten einen Personenbeförderungsschein.
Aktuell denken wir an ca 6ct/km plus eine Grundgebühr von 50ct je Fahrt. Die Grundgebühr dient dazu, dass es sich auch auf Nahverkehrsstrecken für die Autofahrer* lohnt, die App anzumachen. Die Preise müssen regelmäßig durch Beschluss der Nutzer*gemeinschaft angepasst werden. Ein einheitliches Preissystem finden wir sinnvoller als einen Markt mit verschiedenen Preisen, weil es kalkulierbarar und weniger kompliziert ist. Aber auch das sollte von den Nutzern* diskutiert werden, wenn erste Erfahrungen vorliegen.

Das Bezahlung soll automatisch im Hintergrund laufen, ohne dass eines* der Beteiligten etwas dafür tun muss. Weiterhin muss sichergestellt sein, dass das Fahrer* auf jeden Fall sein Geld bekommt. Das läuft darauf heraus, dass das Mitfahrer* Vorauskasse leisten muss.

Wir forschen noch daran, welches Bezahlsystem sinnvoll ist. Ob wir dafür einen eigenen Zahlungsdienst eröffnen, eine Kryptowährung verwenden oder schöpfen oder auf klassische Zahlungsdienste zurückgreifen, wissen wir noch nicht.

Umsteigepunkte

Ein wichtiges Thema ist die Auswahl der Umsteigepunkte. Natürlich kann die Software versuchen, aus dem Kartenmaterial geeignete Punkte zu erraten. Außerdem werden wir die Nutzer* dazu aufrufen, auf der Karte geeignete Umsteigepunkte zu markieren. Das wichtigste an einem Umsteigepunkt ist, dass man gut anhalten kann. Umsteigepunkte mit Dach, mit Sitzgelegenheit und/oder mit WLAN sind natürlich besser als ohne. Bushaltestellen könnten als Umsteigepunkte genutzt werden, außer in dem Moment, wenn der Bus kommt. Cafes sind - je nach Uhrzeit - gute Umsteigepunkte. Notfalls kann in wenig befahrenen Seitenstraßen jeder Punkt ein Umsteigepunkt sein.

Einbeziehnung anderer Verkehrsmittel und Ridesharingunternehmen

Vielleicht nicht in der ersten Version, aber letzendlich wollen wir alle Verkehrsmittel einbeziehen. Wenn man schneller mit dem Zug ankommt und der Fahrpreis vertretbar ist, wird man eben zum Zug gebracht. Außerdem streben wir eine Kooperation mit möglichst vielen Mobilitätsanbietern an. Busunternehmen könnten die Autobahnen entlangfahren. Carsharing wäre eine interessante Variante, um auf die Autobahn zu kommen. Andere  Ridesharing-Unternehmen könnten ihre Angebote einstellen. Über Vermittlungsgebühren und Marketingprovisionen ließe sich eine win/win-Situation herstellen.